Mediation

Informieren Sie sich in den folgenden vier Abschnitten darüber, was
1.
Mediation ist,
2.
was ein Mediator ist und tut,
3. wie eine Mediation abläuft und
4.
über die Anwendungsbereiche für Mediation!

 

I. Was ist Mediation?

Eine konstruktive Konfliktlösungsmethode! Im Mediationsverfahren vermittelt eine neutrale, qualifizierte Person, die selbst keinen Anteil am Konflikt hat. Mediation ist die Vermittlung in einem Konflikt verschiedener Parteien mit dem Ziel einer gütlichen Einigung, deren Besonderheit darin besteht, dass die Parteien freiwillig eine faire Lösung mit Unterstützung des Mediators selbstverantwortlich erarbeiten.

Der Kern von Konflikten sind immer Differenzen im Zusammenhang mit bedrohten Bedürfnissen, die für die beteiligten Menschen zu unerträglichen Spannungen führen.

Das Bestehen von Differenzen an sich ist noch kein Konflikt und auch für Leben und Entwicklung notwendig. Die Spannungen, die auf Probleme hinweisen und das fehlende Vermögen, mit diesen Spannungen umzugehen, zeichnen erst einen Konflikt aus.

Aufgrund von unterschiedlichen Erklärungen und Denkmustern, aufgrund von unterschiedlichen Wahrnehmungen und unterschiedlichen emotionalen Reaktionen entstehen Stresssituationen. Es wird auf Ur-Verhaltensweisen zurückgeschaltet. Das Wort wird zur Waffe. Eine negative Dynamik entsteht, der Konflikt eskaliert, die Parteien entfremden sich immer mehr voneinander.

Hier bieten Mediatoren Lösungshilfen und Methoden an.

Diese Methoden dienen dazu:

Wieder eine ungetrübte Sicht der Dinge zu bekommen.

Eine gemeinsame Ausrichtung hin zur Problemlösung zu bekommen.

Der Unterschied der Mediation zu allen anderen Konfliktlösungsmethoden ist die gemeinsame Lösungssuche.

Beispiel Gerichtsverfahren: Man kann im Grunde von vornherein nie alles zur Sprache bringen, was einem auf der Seele liegt. Es besteht die Gefahr, dass es als verspätet vorgebracht, neben der Sache liegend oder sonst unbeachtlich abgetan wird. Das Gerichtsverfahren dient dem Untermauern von Standpunkten und Forderungen der Streitenden. Alles vor dem Hintergrund der Logik und Rationalität.

Man wundert sich aber, wie sich angeblich harte Fakten verändern können, wenn man nur zwei entgegengesetzte Sichtweisen hört. Und bei beiden kann man das Gefühl haben: Hört sich nachvollziehbar und richtig an.

Dieses Herausarbeiten der eigenen Position als die richtige und das gleichzeitige Bewerten der anderen Position als die falsche fördert jedoch im Grunde nur die Eskalation des Konflikts und trübt gerade eine klare Sichtweise.

Die Mediation will dabei unterstützen, wieder in die Lage zu kommen, gegenseitig die Situation, die Interessenlage und die Bedürfnisse zu verstehen und anzuerkennen.

Mediation verzichtet auf Gewalt und Zwang.

Mediation setzt auf Gewaltfreiheit und Vernunft.

Mediation überwindet Kommunikationsbarrieren.

Und sie funktioniert. Ich habe sich Richter verblüfft darüber äußern hören, dass ein Konflikt ohne Bezugnahme auf die zugrunde liegenden Normen gelöst wurde. So etwas ist Juristen fremd.

II. Wer ist und was macht ein Mediator?

Der Mediator ist Vermittler. Er hat meist einen juristischen oder psychosozialen Berufes und eine qualifizierte Zusatzausbildung in Mediation.

Er beherrscht die Fähigkeit zur strukturierten Verhandlungsführung. Er kann zuhören und Fragen so stellen, dass deutlich wird, wo die eigentlichen Probleme liegen.

Gelingen kann die Mediation nur, wenn Mediator und Medianten, die Konfliktparteien, gut zusammenwirken. Sie sind aufeinander angewiesen.

Um seine Rolle als Vermittler richtig auszuüben, versucht der Mediator, den folgenden Haltungen gerecht zu werden: Er ist allparteilich, das heißt, er bemüht sich, sich gleichermaßen in alle Konfliktparteien einzufühlen und hineinzudenken.

Er ist unabhängig und verfolgt kein anderes Ziel als allein das, die Mediation erfolgreich durchzuführen.

III. Wie verläuft die Mediation ?

Der Mediationsprozess läuft in 5 Phasen ab, es werden in der Regel ca. 2 - 10 Sitzungen benötigt, die mit einem Stundenhonorar bezahlt werden.

Die einzelnen Phasen sind folgende:

• Einführung und Vorbereitung der Mediation, Abschluss des

Mediationsvertrages

• Sammlung der zur Verhandlung anstehenden Regelungspunkte

• Klärung der Bedürfnisse und Interessen

• Sammlung und Bewertung der Lösungsvorschläge

• Vereinbarung und Vertragsformulierung

Bei der Einführung erläutert der Mediator nochmals den Mediationsprozess und die grundlegenden Verhaltensregeln, auf die die Parteien sich einigen und die sich dahingehend zusammenfassen lassen, ehrlich und fair miteinander verhandeln zu wollen.

Kernstück der Mediation ist die Klärung der Bedürfnisse und Interessen, die hinter den Forderungen stehen. Hier schlagen die Emotionen oft hoch, und hier ist das Einfühlungsvermögen des Mediators gefragt, um zu einem gegenseitigen Verstehen zu kommen.

Danach werden Lösungsmöglichkeiten gesucht, und aufgrund der vorigen Klärungsphase kommen hier in der Regel dann auch die vielfältigsten Ideen.

Im Idealfall einigt man sich auf eine Lösung, diese wird dann vertraglich vereinbart.

Damit ist die Mediation abgeschlossen.

IV. Anwendungsbereiche der Mediation

Familienmediation (Trennungs- und Scheidungsmediation, um bei der Trennung gütliche Regelungen für die Vermögensentflechtung, für Unterhaltspflichten, Besuchs- und Sorgerechte zu finden),

Familien- und Paarmediation, ohne beabsichtigte Trennung,

Wirtschaftsmediation bei Konflikten in und zwischen Unternehmen,

Mediation im Erbrecht,

Mediation im Nachbarschaftsrecht, bei Mietkonflikten,

Bauprojekt-Mediation bei Konflikten zwischen Auftraggebern und Baufirmen,

Umweltmediation bei Konflikten, die beim Bau von Straßen, Flughäfen u.ä. entstehen,

Schulmediation,

Täter-Opfer-Ausgleich